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Inhalt

Ursprung der Benennung
 
Der Name des Schlosses Krumlov stammt aus dem lateinischen castrum Crumnau oder aus dem mittelhochdeutschen Crumbenouwe. Es charakterisiert die Naturkonfiguration des Terrains - krumbe ouwe, also Stelle auf einer krummen Wiese oder Flur. Die älteste Erwähnung der Krumauer Burg stammt offensichtlich von dem österreichischen Ritter und Minnesänger Ulrich von Liechtenstein in seinem Gedicht "Der Frauendienst", das in der Zeit zwischen den Jahren 1240 - 1242 entstand.
Die erste schriftliche Form der Benennung Chrumbenowe findet sich in der Urkunde des österreichischen und steirischen Herzogs Ottokar aus dem Jahre 1253. Damals war Krumlov schon der Sitz von Witigo von Krumau, eines Mitgliedes des bedeutenden Adelsgeschlechts der Witigonen. Der Zuname "Böhmisch" wurde in Verbindung mit Krumlov seit der Mitte des 15. Jahrhunderts benutzt.
 
Schloss Český Krumlov - Prähistorie
 
Die strategisch günstige Lage der engen Felsenanhöhe über der Vltava-Furt lockte zur Ansiedlung seit Urzeiten. Sehr wichtig war die Wachfunktion der Lokalität am alten Handelsweg von den Alpen und dem Donauland in das Innere Böhmens, der schon in der Bronzezeit das Tal des Flusses Vltava genutzt hat.
Die Anfänge der prähistorischen Besiedlung der Burganhöhe in Český Krumlov kann man zur Zeit nur dank archäologischer Untersuchungen verfolgen. Die mit Sicherheit verifizierten Anfänge der Besiedlung, die mit archäologischen Funden von Zeitartefakten aus der entwickelten materiellen Kultur der hiesigen Bewohner belegt sind, reichen bis zur Wende von der älteren zur mittleren Bronzezeit zurück. Eine kleine Keramikkollektion belegt die wahrscheinliche Existenz einer Höhensiedlung, vielleicht auch einer Burgstätte in der alten Bronzezeit (ungefähr 1 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung) im Raum des II. Schloßhofes. Analoge Lokalitäten waren damals in Vyšný, Boletice und Mříč (Burg Dívčí Kámen / Maidstein). Weitere Keramikfragmente belegen die Besiedlung in der späten Hallstattzeit - ungefähr 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Auch in dieser Periode sind Höhensiedlungen oder Burgstätten ziemlich geläufig.
Interessant ist das Vorkommen von Keramik der späten La-Téne-Zeit ungefähr 150 Jahre vor unserer Zeitrechnung, die jedoch nicht aus der direkten archäologischen Untersuchung stammt, sondern nur aus Sammlungen, und nicht genau lokalisierbar ist. Auch in diesem Fall handelte es sich offensichtlich um den Beleg einer Höhenburgstätte.
Der älteste Artefakt, das aus der Burganhöhe stammt, ist eine neolithische Steinaxt, ungefähr 4 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung datiert. Es handelt sich um einen vereinzelten Fund, zu dem es zufälligerweise im Verlauf des 2. Weltkrieges gekommen ist. Die archäologische Untersuchung hat die damalige Besiedlung nicht bewiesen, aber die Authentizität der Funde beweist die Entdeckung der Siedlung der Kultur mit Schnurkeramik im Garten der Brauerei in Latrán. Die urzeitliche Besiedlung der Burganhöhe in Český Krumlov war Gegenstand archäologischer Untersuchungen in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts.
 
Das Schloss Český Krumlov in der Zeit der Gotik
 
Die Burg namens Krumlov wurde etwa in der Mitte des 13. Jahrhunderts auf einem steilen Felsenvorsprung, der hoch über dem Mäanderbett des Flusses Vltava emporragt, gegründet. Es haben sie die Herren von Krumau erbaut, die zu dem bedeutenden tschechischen Adelsgeschlecht der Witigonen gehörten. Der Name der Burg stammt aus dem mittelhochdeutschen Ausdruck Crumbenouwe, der die natürliche Konfiguration des Terrains charakterisiert, also eine Stelle auf einer krummen Wiese oder Flur. Die ursprüngliche, gotische Burg war nur eine kleine Burg mit einem Turm, die nach weiteren mittelalterlichen Umbauten und Renaissanceumbauten die Dominante der ganzen Umgebung wurde.
Im Jahre 1302 ist das Geschlecht der Herren von Krumau ausgestorben und der Burg haben sich Verwandte, die Rosenberger, angenommen. Eines der bedeutendsten tschechischen Adelsgeschlechter mit dem Wappen der roten fünfblättrigen Rose im silbernen Feld hat sich eben Krumlov als die ständige Hauptfamilienresidenz gewählt. Unter der Regierung Heinrichs von Rosenberg (1262 - 1310) und seines Sohnes Peter I. von Rosenberg (gestorben 1347) wurde die Kleine Burg unter dem Turm (Schloß Nr. 59 - Die Kleine Burg) großzügig erweitert. Ebenso wurde mit dem Aufbau der Oberen Burg (Schloß Nr. 59 - Obere Burg) begonnen, die aus zwei Palästen und zwei mächtigen Quadrattürmen bestand. Die Burg hatte, außer der Wehr- und Wohnfunktion, auch die Aufgabe des Hauptverwaltungszentrums der ausgedehnten Krumauer Herrschaft. Peter I. von Rosenberg, der die bedeutende Funktionen des höchsten Kämmerers und Landehauptmanns in Böhmen inne hatte, bemühte sich, aus Český Krumlov die südböhmische Analogie zu der Prager königlichen Metropole zu machen. Auf Wunsch von Peters Gemahlin Kateřina von Vartenberk wurde auf der Burg die neue St. Georgs-Kapelle errichtet, die Ende 1334 eingeweiht und mit Ablässen für fromme Besucher ausgestattet wurde.
Bedeutende Umbauten im Schloß noch im gotischen Stil fanden statt unter Ulrich II. von Rosenberg in der Mitte des 15. Jahrhunderts. in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Räume des heutigen vierten Schloßhofes wurden verbaut. Die Krumauer Burg wurde erweitert, wobei vor allem auf die Wehrkraft der Burg geachtet wurde. Die energische und dominante Persönlichkeit Ulrichs II. von Rosenberg (1403 - 1462) stand im Vordergrund des ganzen böhmischen Königreichs während des 15. Jahrhunderts. Er war die Hauptstütze der katholischen Stände sowohl in der Zeit der hussitischen Kriege als auch in Nachkriegszeit. Die Bedeutung und die herausgehobene Stellung des Geschlechts der Rosenberger wurde schriftlich unter Peter IV. von Rosenberg (1462 - 1523) bestätigt, als in der Landesverfassung Wladislaws von 1500 die erstrangige Stellung der Rosenberger unter den böhmischen Adeligen betont wurde.
Peter IV. von Rosenberg machte aus seiner Krumauer Burg einen entsprechend repräsentativen Sitz mit dem Wohnzentrum um den III. und IV. Schloßhof (der III. Schloßhof des Schlosses Český Krumlov, der IV. Schloßhof des Schlosses Český Krumlov). Die Unstimmigkeiten von Peter IV. mit seinen Neffen Johann III. (1484 - 1532), Jost III. (1488 - 1539), Peter V. (1489 - 1545) und Heinrich VII. (1496 - 1526) waren der Grund des überraschenden Testaments von Peter IV., in dem er seinen Besitz Herrn Zdeněk Lev von Rožmitál und weiteren böhmischen Herren vermacht hat. Es begann der Kampf um die Rettung des Rosenberger Dominiums, durch den die finanziellen Mittel der Familie ziemlich erschöpft wurden. Mit dem Mangel an Finanzen haben dann Jost III. und Peter V. noch in den 30er und 40er Jahren des 16. Jahrhunderts gerungen.
 
Das Schloss Český Krumlov in der Zeit der Renaissance
 
Die Vormundschaftsregierung von Peter Wok von Rosenberg über die Kinder seines Bruders Jost und seiner Ehefrau Anna Rosenberg, geborene von Rogendorf hat die Zeit der Hochblüte des Rosenberger Dominiums vorgezeichnet. Die kam mit dem Antritt der letzten Generation der Rosenberger, der Brüder Wilhelm von Rosenberg (1535 - 1592) und Peter Wok von Rosenberg (1539-1611). Sowohl der alte Ursprung des Geschlechts, das ausgedehnte und wirtschaftlich rentable Dominium, als auch persönliche Fähigkeiten prädestinierten besonders den älteren der Brüder, Wilhelm, zu einem schnellen gesellschaftlichen und politischen Aufstieg. Wilhelm begann seine Karriere dadurch, daß er den Namen des Rosenberger Geschlechts rehabilitierte und seiner Familie die führende Stellung unter den Adelsgeschlechtern in den böhmischen Ländern zurückgab. Von 1550 an, als er als Knabe in königliche Dienste eingetreten war, erreichte Wilhelm nach und nach bedeutende Würden, und im Jahre 1570 wurde er zum höchsten Prager Burggrafen ernannt, also zum Vertreter des Königs im Lande, und er dachte auch daran, die polnische Krone zu gewinnen. Im Jahre 1585 hat ihm der spanische König Philip II. den Orden des goldenen Vlieses verliehen. Ausgezeichnete diplomatische Fähigkeiten hat er bei innerstaatlichen Streitigkeiten und als Mitglied der kaiserlichen Gesandtschaften bewiesen. Durch seine Herkunft und dank seiner vier Trauungen - mit Katharina von Braunschweig (1557), Sophia von Brandenburg (1561), Anna Maria von Baden (1578) und Polyxena von Pernstein (1587) - wurde Wilhelm von Rosenberg mit den bedeutendsten Geschlechtern des böhmischen, österreichischen, deutschen, spanischen, italienischen und polnischen Adels verwandt. Die Erträge der Rosenberger Domänen, die neue Weise des Wirtschaftens und auch Zahlungen, die aus den blühenden Rosenberger Städten in die Adelskasse geflossen sind, ermöglichten Wilhelm, einen pompösen Lebensstil zu führen, einen kostspieligen Hof zu unterhalten, umfangreiche Umbauten der Residenzen durchzuführen und Mäzen in Wissenschaft, Musik, Literatur und bildender Kunst zu sein. Das Schloß in Český Krumlov bekam unter Wilhelm von Rosenberg das Aussehen einer monumentalen prunkvollen Renaissanceresidenz und wurde zugleich das kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zentrum des ausgedehnten Rosenberger Dominiums. Der Rosenberger Herrscher stand an der Spitze des aristokratischen Hofes, umgeben von den Mitgliedern seiner Familie, Höflingen, Hofdamen und von einer Menge von Beamten, Kammerdienern, Edelknechten, Dienern, Gelehrten und Künstlern.
Wilhelm wurde schon in seiner Jugend durch die Pracht und Kultur des Italiens der Renaissance beeindruckt, das er während der Reise des böhmischen Adels in den Jahren 1551 - 1552 zur Begrüßung der Ehefrau des zukünftigen Kaisers Maxmilian II., Marie von Spanien, kennengelernt hatte. Nach der Rückkehr nach Böhmen begann Wilhelm von Rosenberg mit dem großzügigen Umbau der alten Familienresidenz unter der Leitung italienischer Meister, wie der Chronist Václav Březan, schreibt: "die Krumauer Burg, alt, unordentlich, eng, dunkel und unfreundlich, ließ er in eine freundliche und geräumige umbauen, so, daß außer dem alten Turm kein Rest der alten Gestalt geblieben ist." Die mächtige gotische Burg wurde in Übereinstimmung mit dem Terrain so umgebaut, daß sie den Vorstellungen des Renaissancemagnaten am nächsten kam. Es kam zu einer großen Veränderung und Erweiterung der Oberen Burg (Schloß Nr. 59 - Die Obere Burg), wo der italienische Baumeister Antonio Drizzan, der Welsche genannt, und später der Hofbaumeister Baldassare Maggi d´Arogno gearbeitet haben. Mit Malerarbeiten im Inneren und auf dem III. und IV. Schloßhof war wahrscheinlich der Rosenberger Hofmaler Gabriel de Blonde beauftragt. Die malerische Ausschmückung der Kleinen Burg und des Schloßturmes hat ein anderer Maler im Rosenberger Dienst, Bartoloměj Beránek-Jelínek, gemacht. Die Krumauer Schloßresidenz hatte ein ausgedehntes System von überdachten Gängen, die durch die Häuserdächer führten und den Durchgang von den Herrscherzimmern der Oberen Burg bis in die Klöster und den herrschaftlichen Garten in der Neuen Stadt (Verbindungsgang). ermöglichten. Es wurde auch im unteren und oberen Schloßgarten gebaut und es wurde ein neuer Wildpark angelegt. Die letzten größeren Veränderungen des Schlosses ließ Wilhelm von Rosenberg im Jahre 1588 durchführen. Damals sollte Baldassare Maggi mit einem umfangreichen Umbau der Gebäude um den III. Schloßhof und IV. Schloßhof beginnen, wo er hätte die Wände vereinigen, die Fenster vergrößern, neue Schornsteine bauen, die Treppen und Türen reparieren und den Hof mit neuen Malereien versehen sollen.
Wilhelms sehr erfolgreiche politische Karriere und persönliche Erfolge wurden durch die Tatsache überschattet, daß ihm keine Ehe den sehnlichst erwarteten Nachkommen brachte, und über dem Geschlecht der Rosenberger begann es langsam zu dämmern. Wilhelm von Rosenberg starb im Jahre 1592 und den Besitz übernahm sein jüngerer Bruder Peter Wok von Rosenberg, der in die Politik nicht viel eingegriffen hat, aber als leidenschaftlicher Sammler von Büchern, Kunstgegenständen und verschiedensten Kuriositäten bekannt war. Seine Ausbildung war zwar nicht so systematisch wie die Wilhelms, aber dank seiner Sehnsucht nach Wissen gehörte er zu den gebildetsten Adeligen seiner Zeit. Wilhelms politische Karriere hatte auch eine negative Seite, nämlich die unendliche Menge der finanziellen Mittel, die der vornehme Rosenberger für seine Repräsentation ausgeben mußte. Er hinterließ seinem Bruder das Rosenberger Dominium mit riesigen Schulden belastet. Obwohl sich Peter Wok aus aller Kraft bemühte, den Familienbesitz ungeteilt zu erhalten, wurde er durch Gläubiger gezwungen, manche Herrschaften zu verkaufen. Nach dem Tode seiner Ehefrau Kateřina von Rosenberg, geb. von Ludanice, im Jahre 1601 hat sich Peter Wok schweren Herzens entschlossen, seinen alten Familiensitz in Český Krumlov dem Kaiser Rudolf II. von Habsburg zu verkaufen und nach Třeboň (Wittingau) umzuziehen. Der Kaiser hat das Schloß persönlich nie besucht. Nur in den Jahren 1605 - 1609 wurde Krumlov der Sitz von Rudolfs unehelichem Sohnes Julius de Austrius , und es blieb durch sein tragisches Schicksal gebrandmarkt. Český Krumlov verlor die Stellung einer aristokratischen Residenz, des Verwaltungszentrums und gesellschaftlichen Zentrums des großen Dominiums. Im Jahre 1610 kam es im I. Schloßhof zu einem Brand. 1611 wurde die Stadt durch die Passauer Truppen besetzt. Während des Ständeaufstands ließ der Kommandant der Kaisergarnison Ferdinand Carrati de Carrara in der Vorburg des zweiten Schloßhofes eine mächtige Befestigung mit Basteien bauen. Im Jahre 1622 schenkte der Kaiser Ferdinand II. von Habsburg die Krumauer Herrschaft dem steirischen Geschlecht der Eggenberger.
Die Renaissanceinterieure sind als Nachbildungen Bestandteil I. Besichtigungstrasse des Schlosses Český Krumlov und den Besuchern zugänglich.
 
Das Schloss Český Krumlov in der Barockzeit
 
Im Jahre 1622 widmete der Kaiser Ferdinand II. von Habsburg die Domäne Český Krumlov seinem Finanzier Johann Ulrich von Eggenberg (1568 - 1634) für die geleisteten Dienste. Weder Johann Ulrich, noch sein Sohn Johann Anton I. von Eggenberg haben sich in der tschechischen Umgebung eingelebt. Sie residierten nicht in Krumlov. Das Geschlecht von Eggenberger sonnte sich jedoch in der Kaisergunst und ihm wurde eine Menge von Ehren zuteil. Im Jahre 1623 wurden die Eggenberger in den Stand der Reichsfürsten erhoben, im Jahre 1625 wurde ihnen das sog. große Palatinat erteilt (unter anderem hatten sie seitdem das Recht, eigene Münzen zu prägen), und im Jahre 1628 wurde die Krumauer Domäne zum Fürstentum mit Herzogtitel. Das Schloß in Český Krumlov wurde zum Residenzsitz des Geschlechts erst unter Johann Christian I. von Eggenberg (1641 - 1710) und seiner kunstliebenden Gattin Marie Ernestine von Eggenberg, geborene zu Schwarzenberg (1649 - 1719). Die Eheleute bevorzugten unter ihren Kulturvorlieben insbesondere Theater und Musik, unbeachtet blieb auch nicht die bildende Kunst und die Schloßbibliothek. Theater wurde am Anfang im Hirschensaal (dem heutige Maskensaal) gespielt, und im Jahre 1686 wurde ein selbständiges Theatergebäude hinter der Mantelbrücke neben dem sog. Renaissancehaus mit einem ständigen Theaterensemble geöffnet (Eggenberger Schloßtheater im 17. Jahrhundert).
Die Eheleute ließen in Übereinstimmung mit den damaligen Modetrends auch das ganze Areal der Schloßresidenz umbauen. Am Ende des 17. Jahrhunderts wurde ein Barockschloßgarten nach den Plänen von Jakub de Maggi und Peter Spinet gegründet. Neu umgebaut wurde auch die obere Burg (Schloß Nr. 59 - die obere Burg). Es kam zu umfangreichen Umbauten und Erweiterungen der Interieurs. Die Stockwerke wurden ausgeglichen, um die Säle in einer Ebene zu verbinden, und es wurden mächtige Barocktreppenhäuser errichtet. Der ursprüngliche gotische Quadratturm wurde abgerissen, und es wurde die hölzerne Mantelbrücke gebaut. Auf dem II. Schloßhof wurde eine Münze gebaut (Schloß Nr. 59 - Münze).
Mit Johann Christian I. von Eggenberg starb das Geschlecht in männlicher Linie aus, und die verwitwete Fürstin Marie Ernestine von Eggenberg vermachte den Sitz ihrem Neffen, dem Fürsten Adam Franz zu Schwarzenberg (1680 - 1732), der den Besitz im Jahre 1719 übernommen hat. Durch die Verbindung des Eggenberger und Schwarzenberger Besitzes entstand ein ausgedehntes Dominium, das durch sein Ausmaß und seine Lage an die Rosenberger Zeit erinnerte. In der Person von Adam Franz kam in die Herrschaft als Besitzer ein tatsächlicher Barockkavalier, ein Mann, der am Kaiserhof erfolgreich war, zugleich auch ein großzügiger Mäzen und leidenschaftlicher Jäger. Der Domäne Český Krumlov wurde der Herzogtitel verliehen (1723). Auf dem Gipfel des Ruhmes und Erfolgs überraschte Adam Franz der Tod. Er wurde durch ein Geschoß des Kaisers Karel IV. auf der Jagd bei Brandýs nad Labem (Brandeis an der Elbe) 1732 (Die kaiserliche Jagd) verletzt. Den Besitz übernahm der Herzog Joseph Adam zu Schwarzenberg (1722 - 1782) unter der vormundschaftlichen Führung seiner Mutter Eleonora Amalia von Lobkowitz. Auch Joseph Adam erreichte einen schnellen politischen und gesellschaftlichen Aufstieg am Kaiserhof in Wien. Das Wahrnehmen und Erleben der Hofatmosphäre und die schöpferische Hochzeit des Barock und Rokoko fanden den Ausdruck in umfangreichen architektonischen Eingriffen in die Krumauer Residenz. Außer dem Umbau der St. Georgs - Schloßkapelle und des Zubaues des oberen Stockwerkes der Schloßresidenz wurde die obere Burg mit neu eingerichteten Räumen des prachtvollen Maskensaals und des Spiegelsaals verschönert (Historie des Spiegelsaals). Den ersten Saal hat mit entzückenden Rokokomalereien Joseph Lederer ausgeschmückt, mit der malerischen Ausschmückung des Spiegelsaals wurden zwei Wiener Maler, Hans Wetschl und Leo Märkl beauftragt. Beide Säle waren Bestandteil eines umfangreichen Komplexes, der für Unterhaltung und Erholung diente. Im Spiegelsaal fanden Konzerte statt, im Maskensaal Bälle und Maskenbälle. Direkt aus dem Saal führte der hölzerne Gang der Mantelbrücke in das renovierte Schloßtheater. Der Fürst Joseph Adam zu Schwarzenberg ließ das Gebäude des alten Eggenberger Theaters umbauen, und er besorgte viele Kulissen, Theaterkostüme, Requisiten und Theatralien. Der Verbindungsgangführte weiter in das raffinierte Heckenlabyrinth des
Schloßgartens in Český Krumlov. Im Garten wurde eine neue Kaskadenfontäne errichtet. Sie ist mit Statuen der Wassergötter des Bildhauer Joseph M. Grissler aus dem Jahre 1765 verziert. In den Jahren 1755 - 1757 wurde das Lustschloß Bellarie umgebaut, im hinteren Teil des Gartens wurde im Jahre 1752 ein hölzerner Musikpavillon erbaut, den František Jakub Prokyš ausgeschmückt hat. Am Ende des Gartens war ein Teich, der durch eine Wasserpumpe mit Wasser aus dem unweiten Vogelburgversorgt wurde. An den Garten schloß sich eine breite Baumreihe in Richtung zum Kvítkův Dvůr an, der im Rokokostil in den Jahren 1750 - 1752 umgebaut wurde. In den Jahren 1744 - 1746 wurde am Schloß die Winterreitschule (Schloß Nr. 178 - Reitschule) nach den Plänen von Andreas Altomonte gebaut. Am Ende des 18. Jahrhunderts hörte man auf der Krumauer Burg auf, zu bauen.
Das Barockinterieur ist als Kopien ein Bestandteil der I. Besichtigungstrasse in Český Krumlov und den Besuchern zugänglich.
 
Das Schloss Český Krumlov im 19. Jahrhundert
 
Am Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu bedeutenden Veränderungen der Lebenseinstellungen, Ansichten und Werte der Menschen infolge der Ereignisse der französischen Revolution, der napoleonischen Kriege und des Auftretens eines neuen Stils in der Kunst, des Klassizismus. Alle diese Veränderungen erlebten auch die Enkel des bedeutenden Barockedelmanns Joseph Adam zu Schwarzenberg, die Brüde Joseph zu Schwarzenberg (1769 - 1833) und Karl I. Philipp zu Schwarzenberg (1771 - 1820). Beide Schwarzenberger teilten im Jahre 1802 das Familieneigentum in zwei Teile. Der ältere Joseph wurde zum Gründer der ersten Linie (Primogenitur), die auch weiterhin als Hauptfamilienresidenzen die Schlösser Český Krumlov und Hluboká besaß. Der jüngere Karl I. bestimmte als seinen Familiensitz Orlík, wo seit dieser Zeit die zweite Linie des Geschlechts der Schwarzenberger (Sekundogenitur) ihren Sitz hatte. Karl I. von Schwarzenberg wurde als ein hervorragender Heerführer und Diplomat in der Zeit der langjährigen napoleonischen Kriege bekannt. Der ältere Joseph zu Schwarzenberg erhielt die wirtschaftliche Prosperität des Schwarzenberger Dominiums während der langen Kriegsjahre und auch nach der Teilung des Familieneigentums auf hohem Niveau. Auf seinen Herrschaften begann er, qualifizierte Fachleute für die Verwaltung und Leitung besonders in der Land- und Forstwirtschaft auszubilden. Im Jahre 1800 gründete er die Forstschule in Zlatá Koruna (Goldenkron) und ein Jahr später das Schwarzenbergische Wirtschaftsinstitut direkt in den Räumen des Krumauer Schlosses. Zu den sehr bemerkenswerten Werken technischen Charakters gehörte der Schwarzenberger Schwemmkanal, der unter der Regierung Josephs zu Schwarzenberg beendet wurde. Man schwemmte dort das Holz aus den Wäldern des Gebirges Šumava (Böhmerwald) bis nach Wien.
Josef zu Schwarzenberg erwählte zur Gattin Pauline zu Schwarzenberg, geborene von Ahrenberg (1774 - 1810), eine schöne, gebildete und kunstliebende Dame, die sich durch ihre Begabung zur Malerei auszeichnete. Sie entwickelte diese Fähigkeiten unter der Leitung des Schwarzenberger Hofmalers Ferdinand Runk. Das Leben der Fürstin Pauline wurde durch das tragische Feuer auf Napoleons Verlobungsball in Paris im Jahre 1810 beendet. Drei Söhne von Joseph zu Schwarzenberg und Pauline zu Schwarzenberg waren erfolgreiche Fortsetzer der Werke ihrer Eltern. Felix zu Schwarzenberg (1800 - 1852) wurde Offizier und anerkannter Diplomat und Politiker, der im Jahre 1848 die Stellung des Ministerpräsidenten in der Regierung des Kaisers Franz Joseph von Habsburg erreichte. Friedrich zu Schwarzenberg (1809-1885) wurde Priester, er wurde Salzburger Erzbischof und im Jahre 1850 Prager Erzbischof. Das erbliche Familieneigentum übernahm der älteste Sohn Johann Adolf II. zu Schwarzenberg (1799-1888) mit seiner Ehefrau Eleonora zu Schwarzenberg, geborene von Liechtenstein (1812 - 1873). Die Aufhebung der Leibeigenschaft im Jahre 1848 brachte umfangreiche Veränderungen in der Wirtschaftsführung, die jedoch der Schwarzenberger Besitz unter der Verwaltung von Johann Adolf II. ohne Schaden durchmachte. Johann Adolf II. suchte neue unternehmerische Möglichkeiten im Glashüttenwesen und auf dem Gebiet des Eisenbahn- und Flußverkehrs.
Johann Adolf II. und seine Gattin Eleonora besuchten einige Male England, das für beide zur Quelle unendlicher Inspiration wurde. Nach dem Vorbild der englischen spätgotischen Windsorresidenz ließen sie das Schloß in Hluboká im modischen neugotischen Stil umbauen, und in der Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sie dorthin für immer über. Die Bautätigkeit im Schloß in Český Krumlov und in der Stadt wurde beendet, und das Schloß blieb leer. Während des 19. Jahrhunderts kam es im Burg- und Schloßkomplex zu keinen bedeutenden Exterieurumbauten. Viele Innenräume wurden im modischen historisierenden Stil ausgestattet.
Die Interieure des 19. Jahrhunderts in ihrem ursprünglichen Zustand sind heute ein Bestandteil der II. Besichtigungstrasse des Schlosses Český Krumlov und sind den Besuchern zugänglich.
 
Das Schloss Český Krumlov im 20. Jahrhundert
 
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann sich Fürst Adolf Joseph zu Schwarzenberg (1832 - 1914) mit der Frage der Rekonstruktion des Krumlover Schlosses zu beschäftigen. Er war sich der kulturellen und historischen Bedeutung bewußt, und im Jahre 1900 entschloß er sich, einen Teil der schwarzenbergischen Repräsentationsräume für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 1909 begann man mit der Restauration der Malereien im Maskensaal, der Schloßhöfe (der III. Schloßhof des Schlosses Český Krumlov, der IV. Schloßhof des Schlosses Český Krumlov) und der Fresken in den Renaissancezimmern, 1748 beim Weißen überdeckt worden waren. Mit Restaurationsarbeiten wurde dann der Wiener Kunstmaler Theophil Melichar beauftragt. Seine Arbeitsmethoden riefen jedoch unter den Fachleuten eine heftige Polemik hervor.
Der neue regierende Fürst Johann Nepomuk (1860 - 1938) mußte sich mit der Entstehung des selbständigen tschechischen Staates abfinden, der die Adelsprivilegien aufhob, mit den ökonomischen Folgen der Gesetze über die Bodenreform, die im Jahre 1931 beendet wurde und die für die Schwarzenberger den Verlust von ausgedehnten Ländereien, Gütern, Wäldern und Industriebetrieben bedeutete.
Im Jahre 1939 ging der letzte Repräsentant des Geschlechts, Dr. jur. Adolf zu Schwarzenberg (1890 - 1950), ins Ausland ins Exil. 1940 wurde der Besitz des Geschlechts der Schwarzenberger durch die Gestapo beschlagnahmt. Nach dem Krieg wurde im Mai 1945 die tschechische Nationalverwaltung eingeführt. 1947 trat das Gesetz Nr. 143/47 in Kraft, die sog. Lex Schwarzenberg, nach dem der Besitz der Schwarzenberger Primogenitur auf dem Territorium der Tschechoslowakei auf das tschechische Land übertragen wurde. Nach der Aufhebung der Landesverfassung im Jahre 1950 ging dieses Vermögen definitiv in den Besitz des tschechoslowakischen Staates über und die Verwaltung des Schlosses in Český Krumlov übernahm die staatliche Denkmalverwaltung Prag, die mit der Inventarisierung sämtlicher beweglicher Habe begann.

 Nach dem Gesetz Nr. 22/58 aus dem Jahre 1958 über Kulturdenkmäler übernahm die Verwaltung des Eigentums das Regionalzentrum für staatliche Denkmalpflege; vom Beginn der 60er Jahre bis 1972 war das staatliche Schloß Český Krumlov in der Verwaltung des Kreisnationalausschusses (ONV) in Český Krumlov, dann ging es wieder in die Verwaltung des Bezirkszentrums für Denkmalpflege und Naturschutz über. Mit Gültigkeit vom 1. Januar 1991 errichtete das Kulturministerium der Tschechoslowakischen Republik nach dem Gesetz Nr. 20/87 das Staatliche Institut für Denkmalpflege in České Budějovice (Budweis). Seit diesem Jahr übt dieses Institut das Wirtschaftsrecht über das Staatseigentum aus, auch der Schloßverwaltung in Český Krumlov gegenüber.

 Der tschechoslowakische Staat öffnete das Schloß der Öffentlichkeit, aber die Instandhaltung des Areals, zu der bedeutende finanzielle Mittel notwendig waren, war unzureichend, und das Schloß verfiel. Trotzdem waren sich viele in- und ausländische Fachleute der Einzigartigkeit dieses Baudenkmals bewußt. Der Schloßkomplex und die Stadt Český Krumlov gewann allmählich den Status des höchsten Denkmalschutzes - 1963 wurde die Stadt zum Stadtdenkmalschutzgebiet erklärt, 1989 wurde das Schloßareal zum nationalen Kulturdenkmal erklärt, und 1992 wurde der ganze historische Komplex ins Verzeichnis des Weltkultur- und Naturerbes der UNESCO aufgenommen. Das Schloß hat den Charakter eines öffentlich zugänglichen Denkmalobjektes, und bis heute wurden den Besuchern die bedeutendsten Teile der Interieure und Exterieure zugänglich gemacht. Auf zwei Besichtigungstrassen (die I. Besichtigungstrasse des Schlosses Český Krumlov, die II. Besichtigungstrasse des Schlosses Český Krumlov) im oberen Teil des Schlosses lernen die Besucher ursprüngliche historische Interieure aus dem 16., 18. und 19. Jahrhundert kennen, die nach den alten Inventarlisten und nach dem ikonographischen Material rekonstruiert wurden.

 
Der Öffentlichkeit wurde der Schloßturm zugänglich gemacht (Schloß Nr. 59 - Der Schloßturm) mit dem Aussichtsumgang und die anliegenden Räumen der Kleinen Burg. Die Ausstellungshallen im Münzgebäude (Schloß Nr. 59 - Die Münze) und im Schmalzkasten (Schloß Nr. 59 - Schmalzkasten) auf dem II. Schloßhof bieten während der ganzen Saison thematisch spezialisierte Ausstellungen aus den Schloßdepositaren an. In den vier Stockwerken der Gotik-Renaissancekeller des IV. Schloßhofes des Schlosses Český Krumlov befindet sich eine Exposition der Keramikherstellung. Außerordentlich interessant ist die Besichtigung der Interieure des erneut zugänglich gemachten Barockschloßtheaters in Český Krumlov, wo ein Probebesichtigungsbetrieb läuft. Für Exterieurbesichtigungen stehen zur Verfügung sowohl mehr als vierzig Gebäude und Paläste, um fünf Schloßhöfe herum lokalisiert, als auch die große Fläche des Barockgartens (Dienstleistungen an Touristen im Areal des Schlosses Český Krumlov).
Gleichzeitig mit dem Besichtigungsprogramm verläuft im Schloßareal ein reiches kulturelles und gesellschaftliches Leben während der ganzen Saison. Traditionell finden vier Festivalprojekte, Dutzende von Abendkonzerte und Theatervorstellungen, Ausstellungsvernissagen, internationale Kongresse, Symposien oder Fachseminare und weitere kultur - gesellschaftliche Veranstaltungen im Schloß Český Krumlov statt.
Die Erneuerung des Schlosses Český Krumlov in der Gegenwart und in den nächsten Jahren mit dem Ziel, die Ursprünglichkeit des Denkmalareals zu erhalten und zu betonen, ist die Aufgabe mit der höchsten Priorität der Verwaltung des Schlosses Český Krumlov und einer Reihe von mitarbeitenden Institutionen, des Errichters (des Kulturministeriums der Tschechischen Republik) und des Verwalters (des Staatliche Institut für Denkmalpflege in České Budějovice).